DIY-IBA fragt Francesca Ferguson

DIY-IBA: Du bist seit über zwei Jahrzehnten als Kuratorin eng verbunden mit den selbstinitiierten Ansätzen in der Berliner Architektur. Wie erlebst du die gegenwärtige Situation?

FF: Die Prä-IBA Diskussion über den Stadtraum, gefühlte Peripherien und urbane Interventionen haben eine große Diskurswelle ausgelöst in Berlin. Es hat aber, wie ich finde, hauptsächlich das Fachpublikum einbezogen. Die Slogans der IBA wurden sicher dreimal geändert und dann zum Schluss von bestimmten Kräften in der Berliner SPD instrumentalisiert, bis das große Projekt IBA 2020 vorerst keinen wirklichen Halt mehr fand. Parallel zu der Diskussion um die IBA fand ich die Entwicklung des Runden Tisches zur Liegenschaftspolitik und die zivile Bewegung zum Erhalt des Tempelhofer Felds am interessantesten. Eine freie Szene von Künstlern, Planern und Architekten zeigt sich nach langer Zeit wieder politisch aktiv. Es wird zunehmender Druck auf die Berliner Regierung ausgeübt, um Alternativen zu der kurzsichtigen, profitorientierten Verkaufsstrategie für das wertvollste Gut dieser Stadt zu überlegen - nämlich ihr Grund und Boden. Es merken scheinbar immer mehr Menschen dieser Stadt, wie kurz davor man steht, diese kostbaren Freiräume zu verlieren.

DIY-IBA: Inwieweit können Ausstellungen und kuratorische Interpretationen eine Situation fördern? Braucht es neue Begriffe, um die Situation besser verstehen zu können?

FF: Ich stehe als Kuratorin natürlich immer für die Vermittlung der Stadtplanung und der innovativen Architektur, die über Ausstellungen und Diskursplattformen ein breites Publikum ansprechen können. Die Menschen brauchen das Greifbare, das Konkrete: Modelle, Case Studies, Aussagen über ihre Gegenwart. Das ist eine Herausforderung, die auch andere Disziplinen miteinbezieht. Ein Städtediskurs, der sich stetig entwickelt, findet auch neue Begriffe für die urbanen Transformationsprozesse und Tendenzen, die eine Stadt prägen. Es ist genau wie in der Kunst, im Theater und im Design – wenn man merkt, dass Sprache erstarrt, so ist es ein Zeichen, dass es auch in der Praxis nicht weiter geht.

DIY-IBA: Eine IBA ist auch immer ein politisches Instrument. Die städtische IBA ließ sich politisch nicht darstellen und wurde abgesagt. Ist das Ringen um das Konzept Stadt ideologisch immer noch so aufgeladen? Oder ist das Label einer IBA nicht mehr zeitgemäß?

FF: Ich bin der Meinung, es soll immer in einer sich rasant entwickelnden Stadt wie Berlin unterschiedlichste Plattformen geben, wo das Laienpublikum, politische Entscheidungsträger und potenzielle Entwickler zusammengeführt werden können, um über die Prozesse der Stadtentwicklung zu reflektieren oder zu streiten. Und natürlich bleibt der Diskurs über Stadtmachen ideologisch – so soll es sein, und es war nie anders. Wichtig ist, dass jene kritischen Stimmen, die ein rein profitorientiertes Handeln und Gestalten im urbanen Kontext jahrelang angefochten haben, nicht genau jetzt den symbolischen Kern – damit meine ich auch die Stadtmitte selbst - den reaktionären, konservativen politischen Kräften überlassen, die es zu einer braven Kultur- und Shoppingmeile umgestalten möchten.

DIY-IBA: Es ist eine der zentralen Motivationen für uns als DIY-IBA-Redaktion, dass wir davon überzeugt sind, dass etwas IBA-ähnliches in Berlin schon längst begonnen hat. Die selbstinitiierte Berliner Bautätigkeit wird bereits jetzt international breit wahrgenommen. Es reisen ständig aus Deutschland, Europa und teilweise auch aus der ganzen Welt Stadtdelegationen und akademische Besuchergruppen an, um sich die selbstiniitierten Häuser in Berlin anzuschauen, die in den letzten Jahren entstanden sind. Schon darin zeigt sich eine informelle Kraft, wie nämlich das Wissen über diese neuen Ansätze international wahrgenommen werden. Wo setzt du mit deiner kuratorischen Tätigkeit in diesem Bereich an?

FF: Es gibt in dieser Stadt seit 2002 keine international ausgerichtete öffentliche Diskussion über neue Architektur und Stadtentwicklung. Wieso gibt es in zahlreichen Städten, von Lissabon bis Oslo, Rotterdam und London schon längst wiederkehrende Biennalen und Festivals für Architektur und Stadtentwicklung und in Berlin nicht? Ich bin überzeugt, dass die transdisziplinären Netzwerke dieser Stadt – die Designszene, die Kunst, und die Architekturszene - wie sonst nirgendwo sonst zusammengeführt werden können in ein gemeinsames celebrieren, kritisieren und sichtbar machen der aktuellen urbanen Entwicklungen. Und an diesem Punkt setzte ich an, indem ich mit einigen Partnern zusammen ein Festival für Architektur und urbane Gestaltung für und mit Berlin für 2015 initiiere.

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